„Ein Tape, dessen Aufmachung einiges erwarten läßt: farbiges Cover, ein Inlay mit Texten und stilvollen Farbfotos. Renaissance Noire sind in Frankreich eine eher ungewöhnliche Band, wenn auch der romantische Touch ihrer Musik zum französischen Ambiente passt. Bisher haben die vier Franzosen drei Demos veröffentlicht und waren auf unzähligen Compilations vertreten. Der erste Eindruck dieser vier vorliegenden Tracks war für mich der Vergleich zu den italienischen Kollegen Ataraxia, nur wesentlich ruhiger und dezenter. „Le chant des solitudes“ beginnt mit einem feinen Cembalo, schon bald tritt der Gesang hinzu. Dieser fließt gemächlich dahin, wie ein großer breiter Strom in seinem vorgeformten Bett. Zusätzlich werden verschiedene, der Stimmung angepaßte elektronische Passagen eingebaut. Die Vocals lassen bei allen Songs (ob das überhaupt der richtige Begriff hierfür ist?). Anleihen an mittelalterliche Gregorianik erkennen, sodaß sie auch klar im Mittelpunkt stehen. Rhythmusinstrumente sind äußerst spärlich eingesetzt und stören kaum. Von einem nicht alltäglichen Dreivierteltakt getragen wird das Titelstück, lädt zur meditativen Besinnung ein, wie alle anderen "Werke" übrigens auch. Ich bin begeistert von dieser Musik, die sich dermaßen schön mit der zeitgenössischen Muse der Renaissance angefreundet hat, daß mir richtig warm ums Herz wird. Hier wird nicht mit irgendwelchen Klischees umhergeworfen, es handelt sich um ehrliche Musik. Bravo!“
(Text aus The Torturer Nr. 4/Februar 1994)
In den 90er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts war für viele Bands aus dem Untergrund die Cassette DAS Medium, um sich zu präsentieren. Viele auch noch heute aktive Bands erlangten durch diese Art der Verbreitung ihrer Musik einen höheren Bekanntheitsgrad. Hier stelle ich die Tapes vor, die ich damals aus allen Teilen Europas und auch Übersees erhalten habe - für mein damaliges Tapelabel No Control Torture.
Montag, 21. Dezember 2015
Mordor - Csejthe/Odes (MC, 1992)
Mordor ist eine Schweizer Band, die sich 1990 gegründet hat. Ihr Sound ist eine Verschmelzung aus Death Metal-Vocals und solcher Musik, die ihre Inspirationen im Industrial und Gothic sucht. Ihr erstes Demo „Odes“, das zweite Tape „Csejthe“ sowie ein weiterer Track sind auf dieser Cassette zusammengefaßt. „Bloody Comtess“ handelt von der Blutgräfin Erzebet Batory, die im 16. Jahrhundert den Glauben hatte, durch Jungfrauenblut ihr Leben zu verlängern. Das Stück ist sehr gruftig, und wer die Geschichte der Blutgräfin kennt, findet hier den Soundtrack in Form einer Oper in sechs Akten wieder. Mystisch hypnotisch klingt im Anschluß daran „First Birth Of The Cruel Nymph“. Genauso monoton schleppend geht es weiter mit dem dämonischen „Last Daemonic Invocation“, wirkt betörend auf den Geist, du versinkst in den Tiefen der Musik. Brutal hört sich „Self lmmolation For My Sweet Goddess Of The Dark Dawn“ an, das einem Ellav Ablasor gewidmet ist. Äußerst ruhig, sogar mit akustischer Gitarre gestaltet sich „The Moment Of The Total Worship Of Evolution“, bei dessen Schluß ein großes vernichtendes Feuer ausbricht. Auf der B-Seite ist das ältere Material zu hören, und bei „Dark Throne Of Blasphemous Evil“ hört man die cthonischen Scharen durch ihre Tunnel an die Oberfläche kriechen, um ihre alte Macht wieder zu errichten. Ein Song, der dem Meister HPL persönlich gewidmet ist, sehr bedächtlich, industrialmäßig. „The Great Kat is God“, dedicated to Katherine Thomas. Der Bass wummert dir um die Ohren, dazu gesellt sich eine heulende Gitarre und finsterer Dämonengesang, wieder in einem verschleppenden Rhythmus. Den Abschluß bildet das abgrundtiefe „Black Roses From The Down Of Chaos“. Mordor machen eine Art Musik, wie sie wohl zu allen erdenklichen Ritualen im Hintergrund laufen kann, finster, okkult, hörenswert...“
(Text aus The Torturer Nr. 4/Februar 1994)
(Text aus The Torturer Nr. 4/Februar 1994)
The Torturer Nr. 4 (Februar 1994)
"Da sind wieder mit unserer vierten Ausgabe, die sicherlich interessanter, vielseitiger und ausgewogener als die letzte Nummer geworden ist. Das liegt zum einen an einem gewissen Umdenken der Redaktion, zum anderen aber auch an den neuen Mitarbeitern, die sich mit ihren Ideen hervorragend in den Torturer eingebracht haben....Das nächste Heft ist unsere Jubiläumsausgabe, ein Jahr The Torturer. Parallel dazu erscheint ein auf fünfzig Stück limitierter Tape-Sampler in einer Box mit sechs Bands, die dann im Heft zum Interview gebeten werden...."
(Text aus dem Vorwort)
An dieser Ausgabe wirkten mit Carmen Bonn (Covergestaltung), Michael Dettenberger, Alexander Pohle und Carolin Kamenz.
Hier kann das Heft eingesehen werden.
(Text aus dem Vorwort)
An dieser Ausgabe wirkten mit Carmen Bonn (Covergestaltung), Michael Dettenberger, Alexander Pohle und Carolin Kamenz.
Hier kann das Heft eingesehen werden.
Katalog Nr. 15 (Februar 1994)
Im Februar gab es einen neuen Katalog in einem ungewöhnlichen Format (DIN A 5, längs gefalzt), enthalten waren auch zwei neue Tapes im Mailorder.
Hier kann der Katalog eingesehen werden.
Katalog Nr. 14 (Januar 1994)
"Das Ziel von NO CONTROL TORTURE war es seit Gründung im Jahre 1991, weniger bekannte Wave/Gothic-Bands dem interessierten Publikum verstärkt vorzustellen. Dies ist meiner Ansicht nach auch überwiegend gelungen. In den letzten dreißig Monaten wurden sechs Tapesampler, eine CD-Compilation sowie drei Tapes von Bands und ein Hörspiel veröffentlicht. Gute Kontakte aus dem In- und Ausland haben die zeitraubende Arbeit leicht vergessen lassen. Nachdem mich nun einige ermuntert haben, weiterzumachen, werde ich den Mailorder fortsetzen. Aber, der bisherige Rahmen wird vermindert. Das heißt, alles Tapes, die als Restexemplare ausgezeichnet sind, fallen aus dem Programm bei Ausverkauf raus. Alles andere ist weiter erhältlich. Neue Artikel werden wieder neu aufgenommen. Trotzdem werde ich meinen Schwerpunkt auf das NCT-Fanzine THE TORTURER legen. Dort werden vor allem kleine, neue und unbekannte Bands ein Forum finden. Es wird sicherlich irgendwann im nächsten Jahr wieder mal einen Sampler geben, aber ich möchte mich da jetzt nicht festlegen. in welchem Rahmen das sein wird."
(Aus dem Vorwort)
(Aus dem Vorwort)
Hier kann der Katalog eingesehen werden.
Sonntag, 20. Dezember 2015
The Radiance - Two Days In The Ocean (MC, 1993)
Dieses Tape ist eine Compilation mit 14 Tracks aus den Jahren 1991 - 1993. Gemäß dem Tapecover entstammen der Feder von zwei Bands, nämlich The Fiction Of Radiance und The Radiance. Musikalisch bewegt sich das ganze in einem minimalistisch gestalteten elektronischen Rahmen, nur selten wird auch Gesang eingesetzt. Aus den Klangcollagen sticht vor allem der treibende, vom pulsierenden Basslauf getragene Track "Heading North" hervor.
Samstag, 19. Dezember 2015
The Torture Never Ends - Festival (16. Oktober 1993)
Im Oktober 1993 haben wir im Koblenzer Haus Metternich ein kleines Wave-/Gothic-Festival HeKate (plus special guest Chorea Minor), Misantrophe, The House Of Usher und Dronning Maud Land veranstaltet. Der Plakatentwurf stammte aus der Feder von Jörg Kleudgen.
Hier kann das Programmheft eingesehen werden.
Hier kann das Programmheft eingesehen werden.
Swan Death - Swan Death (MC, 1993)
"Ein Demo mit sechs Titeln erhielt ich aus Belgien. Irgendeine neue Art von Gothic steckt hinter den einfallsreichen Stücken. Den Beginn macht die Geräuschcollage "Main Title Sorcery", die sich dann urplötzlich in ein monotones Verzweiflungslied verwandelt. "The Swan" klingt dagegen schon etwas brutaler, hört sich nach Joy Division in rehearsal an. Anklänge an Xymox oder X-Mal Deutschland bietet "Nudity Taks", gefällt mir bisher am besten, hat pompöse Synthiemelodien als gerüst. Ein Requiemauszug scheint "Life-Blood" zu sein, mit warmen Synthies und einem gemütlichen, anregenden Beat. Als nächstes werden bei "Tierkirchhofe" in deutscher Sprache Tierversuche mißbilligt, dazu paßt die zerbrechliche Stimme von Heidi, klingt ein wenig nach Ataraxia. Den Abschluß macht "Demontes", das sich wie ein schweres Gewitter aufbaut. Es brodelt richtig, die Stimme scheint aus weiter Entfernung zu singen. Ein vielversprechendes Tape, bei dem zwar die Soundqualität noch nicht optimal ist, aber das musikalische Potential und gute Ideen findet man zahlreich."
(Text aus The Torturer Nr. 3)
(Text aus The Torturer Nr. 3)
Cat Fud - Put The Cat Out (MC, 1993)
"Aus der Hauptstadt Italiens stamt dieses Projekt, bestehend auss Marko und Piero. Die beiden machen im Prinzip eine Art Wave, wie er gerade aus dem Punk entstanden ist, mit ersten Romantikeinflüssen, vor allem zu erkennen bei "The Die Anyway". Der gute alte Robert S. und seine Krankenpfleger standen wieder einmal Pate bei diesem Tape. Eines der Highlights ist "Something More", das neben " Lost" sehr cure-lastig erscheint. Den Unterschied macht eigentlich nur die Drummachine aus. Cat Fud scheinen wirklich große Fans der Engländer zu sein, denn "All Myself" könnte glatt aus der "A Forest"-Zeit sein. Ich habe immer das Gefühl, hier unveröffentlichte Studio-Outtakes von Cure zu hören, es ist einfach erstaunlich, die Songs haben trotz der Ähnlichkeiten doch noch etwas eigenes. Nicht schlecht."
(Text aus The Torturer Nr. 3)
(Text aus The Torturer Nr. 3)
Meszada - Der Illusion beraubt (MC, 1993)
"Müssen sich deutschsprachige Gothicsongs wie Goethes Erben anhören... anhören? Klare Antwort: nein. Meszada bestehen seit gut zwei Jahren. Dies ist ihr zweites Demo. Es ist nicht ganz einfach, das Tape gedankenlos nebenbei anzuhören. Die Texte sind mit der Musik innig verbunden. So werden auch nicht nur übliche Klischeetexte behandelt, die Band nimmt genauso zum politischen Leben Stellung. Beispielsweise beschreibt "Herzegowina" als knallharte Kritik das Verhalten der internationalen Politik. "Liquid Thinking" handelt von allgemeiner Orientierungslosigkeit in sozialen Bereichen, untermalt von bezaubernden Melodienbögen mit melancholischem Charakter, a great Song. "Sagenumworbene Stadt" versucht durch entsprechende Instrumentierung den Traum vom unendliche schönen Paradies zu bestärken. Um eine verflossene Liebe geht es bei "Ohne Bedeutsamkeit". Musikalisch ordne ich den Song in die Schublade Ballade ein, verziert mit sorgfältigen Gitarrenspielereien. Den Abschluß bildet "In Machine", in dem ganz offen der Fortschritt der Medizin angeprangert wird (ganz aktuell die in USA geklonten Embryos). Die Musik zieht sich steigernd in einer tragischen Art durch das Lied. Sehr ungewöhnlich erscheint mir der Gesang, ob auf Deutsch oder Englisch. Sänger Markus Kurscheidt scheint innerhalb der Tonleitern die Lage zu ändern, wie es ihm gerade paßt, sehr expressiv. Meszada bieten einen interessanten Aspekt düsterer Indiemusik, weitab von Klischees, hier gibt es einiges zu entdecken."
(Text aus The Torturer Nr. 3)
(Text aus The Torturer Nr. 3)
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