In den 90er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts war für viele Bands aus dem Untergrund die Cassette DAS Medium, um sich zu präsentieren. Viele auch noch heute aktive Bands erlangten durch diese Art der Verbreitung ihrer Musik einen höheren Bekanntheitsgrad. Hier stelle ich die Tapes vor, die ich damals aus allen Teilen Europas und auch Übersees erhalten habe - für mein damaliges Tapelabel No Control Torture.
Donnerstag, 17. September 2026
Katalog Nr. 20 (Juni 1995)
Hier kann der Katalog eingesehen werden.
The Torturer Nr. 9 - Mai 1995
"Liebe Freunde des Torturer,
mit diesem Heft beginnt ein kleiner Einschnitt in das bisherige Bild des Fanzines. Lange habe ich darüber nachgedacht, ich denke eine für alle akzeptable Lösung gefunden zu haben. Ab sofort kann der Torturer nur noch alle vier Monate erscheinen, da es mir aus beruflichen und privaten Gründen nicht mehr möglich ist, noch mehr von meiner knapp bemessenen Freizeit herzugeben. Als andere Alternative stand nur das Einstellen des Heftes zur Debatte, was mir persönlich allerdings auch sehr weh getan hätte. Ich hoffe, ihr könnt damit leben. Die nächste Ausgabe erscheint daher erst im September, gleichzeitig kommt dann auch der Elektronik-Sampler. Mitte Mai wird dann auch der Cassetten-Sampler The Torturer Vol. 3 veröffentlicht werden, die Bands und die Titel stehen hinten im Heft. Nun viel Spaß mit Nummer 9."
(Text aus dem Vorwort)
Hier kann das Heft eingesehen werden.
6 Jahre Einzelhaft 1988-1994 (Gorkon Recordings, MC, 1994)
Hierbei handelt es sich um ein auf 100 Stück limitiertes Tape mit Stücken genau aus dem Zeitraum 1988 . 1994, meistens sogar bisher unveröffentliche Tracks, Mit dabei sind: Elenthara, Nameless, MDT, Lore Of Asmoday, Book Of Dzyan, Sturm und Drang, Das Existenztheater, Dies Ater, Templer und Fields Of Winter.
Mittwoch, 16. September 2026
Sri Lanka - Here (CD, 1993)
Leicht orientalisch, mit Dead Can Dance-Touch, beginnt dieses Album von der amerikanischen Gothic-Band Sri Lanka. Bin Wunder, daß das Intro „Mantra“ genannt wurde. Wie soll ich diesen Sul bezeichnen, vielleicht Psychedelic-Gothic? Ansonsten erscheint die Musik mit ihren harten Gitarrenriffs nämlich ganz anders als der Opener, mitreißend, vorwärts treibend. Irgendwie kommt mir das alles bekannt vor, aber ich kann es nicht sinordnen, wahrscheinlich, weil es mir auch sofort gefallen hat. Zwischendurch gibt es mit „X“ einen tonnenschweren Song, bei dem aber auch dieses kleine bißchen oriental sound nicht fehlen darf. „Lucinda“ erinnert mich von der Art her an Stücke aus der Feder von Nuit d'Octobre. Den Höhepunkt setzen Sri Lanka mit „Pields Of Everafter“. Wie eine stampfende Dampflok zieht man in die unbekannten Regionen. „Here“ ist ein echt gutes Album, wenn man sich mai den europäischen Markt vergleichsweise betrachtet.
(Text aus The Torturer Nr. 3/November 1993)
Dieses Album bekam ich damals als Tape geschickt. Deshalb findet es auch hier Berücksichtigung. Die Coverabbildungen wurden entnommen aus Discogs.
The Sudanese Witch Hunt - Rising Up (MC, 1992)
Ein Magazin nannte sie die Bastarde von AC/DC und den Sisters Of Mercy, was ich persönlich aber als zu hart ausgedrückt emptinde. Die Musik der britschen Band scheint mir eher ein Symbiose aus frühen Cassandra Complex-Rhythmus-Sektionen, Gitarren von Jesus & Mary Chain sowie dem Gesang von Andy McClusky von OMD zu sein. Irrer Mix, nicht war? Trifft allerdings zunächst nur auf den Opener „Waste“ zu, den ich direkt zum Hit des Tapes erkoren möchte. Diese Cassette ist zwar schon im Jahre 1992 in England erschienen, wurde jetzt durch das Oldenburger Label Rubbish Recordings in Lizenz in unserer Heimat veröffentlicht. Bei „Times Change“ klingt die Stimme schon irgendwie rockiger, versinkt hin und wieder in einem voodoomäßigen Soundbrei. „Plague Bug“ erinnert mich von der Struktur und ein wenig von der Musik her an ein Stück vor Rheingold mit den Namen „Fluß“, das ganze natürlich fetziger. In die gleiche Richtung schlagen dann die zwei noch verbleibenden Songs „Meat Hook“ und „Rising Up“, wobei letzteres eher in die Richtung Psychedelic Rock einzuordnen wäre.
(Text aus The Torturer Nr. 8/Februar 1995)
Ermeneuma - Live In Vinile Rosa' 5/12/93 (MC, 1993)
Nach keyboardlastiger Einleitung geht es beim nächsten Song „Inquietudine“ gleich in die Vollen. Peitschende Drums treiben zusammen mit der Gitarre den Gesang an, machen einen rockigen Song daraus. Auf dieser Ebene bleibt die Band, der italienische Gesang wird hierbei flüssiger vorgetragen wie beim letzten Tape, dadurch wirken die Songs auch zugänglicher. Vor allem bemerkt man recht schnell, daß man es mit Ermeneuma mit einer bühnenerprobten Band zu tun hat, die sicherlich ihre wichtigsten Einflüsse aus den Anfangstagen des amerikanischen Gothics hat. Ich könnte mir daher vorstellen, daß sich Studiosachen nicht so intensiv anhören. Auf der zweiten Seite gibt es mit „Death Embryos“ eine gute Coverversion der eher unbekannten deutschen Gothicband The Evil Speaks, nicht schlecht nachgespielt, doch wer kennt schon das Original außer ein paar Insidern? Insgesamt ein recht hörenswertes Tape.
(Text aus The Torturer Nr. 6/August 1994)
The Friendly Natives - Cold (MC, 1993)
Auf dieser Cassette befinden sich anscheinend die beiden bisher veröffentlichten Demos der freundlichen Eingeborenen aus dem Frankfurter Raum. Gegründet hat sich das Quartett vor vier Jahren, orientiert sich an Vorbildern wie Pink Floyd, Jim Morrison oder New Model Army. Gerade von letzteren wurden teilweise die Strukturen und die frische Spielart nachempfunden. Zudem kommt die Stimme von Sänger Jörn der von Justin Sullivan sehr nahe. Eine Hommage an Jim Morrison scheint jedenfalls der Opener „Doors“" zu sein, mit herrlicher Hammond-Orgel. Dann geht es gleich pulsierend weiter mit „Things“, das ein klassisches NMA-Stück sein könnte. Die Stimmung wird besonders gut betont, auch die gefühlsmäßige Ausstrahlung ist fast identisch. Ehe man sich verhört, wechselt die gesamte Atmosphäre der Musik, zieht sich nun um einige Jahre zurück, wo man eher vom Psychedelic besessen war. Resümierend gesagt, die Musik der Friendly Natives ist schlecht in den beliebten Schubladen abzulegen, und das macht die Band sympathisch. Eine erste CD ist in Vorbereitung, und dann bekommt man vielleicht auch einmal überregional ein sicherlich interessantes Konzert mit...
(Text aus The Torturer Nr. 3/November 1993)
Look at The Tower - Look At The Tower (MC, ????)
Diese "Demo" besteht aus einer Zusammenstellung von Live-Tracks ab 1991 sowie zwei Demosongs, die wohl unter abenteuerlichen Zuständen im Proberaum aufgenommen wurden. Ich kann die Band sehr schlecht nach den insgesamt sechzehn Songs einschätzen. Einerseits spielen sie absolut harte, brachiale Pogo-Stücke, dann kommen auf einmal zarteste Lieder nur mit Gitarrenbegleitung. Dazwischen erklingt ein gut gemachtes Cover von Love Like Blood's „Dear Catherine“. So ganz ihren Stil scheinen die fünf noch nicht gefunden zu haben. Es ist schwierig, eine klare Linie zu finden, was jetzt nicht heißt, daß keine Entwicklung erkennbar ist. Aufgrund der neueren Livestücke könnte man auf düster angehauchten Gitarren-Rock schließen, Vorbilder aus den Staaten standen bestimmt Pate.
(Text aus The Torturer Nr. 3/November 1993)
Dazzling White - Emotions Against Techno (MC, ????)
Was die drei jungen Musiker aus Altenburg produzieren, bezeichne ich als Depeche-Mode-mäßige Elektronikmusik mit leichtem EBM-Einschlag. Die zehn Songs sind recht nett verspielt und wie der Titel schon sagt, sehr gefühlvoll. Sie bleiben auch im Ohr hängen und sind durchweg tanzbar. Besonders gut gefallen mir „Hello Boy“ (leicht melancholisch monoton), „Why“ mit einem sehr gefälligen Refrain, der vielleicht ein wenig zu rasch abbricht, und „I Can Say Nothing“, das eine typische Camouflage-Ballade mit minimaler Instrumentierung sein könnte. Ein recht nettes Debüt, das zwar keine Bäume ausreißt, aber trotzdem anspricht.
(Text aus The Torturer Nr. 3/November 1993)
PorNo/Yes-Ographie Vol. 3 (Irre Tapes, MC, 1993)
Hierbei handelt es sich um ein Tape mit fünf Bands, die sich mit dem "Tabu-Thema Nr. 1" (?) der Menschheit beschäftigen. „Pornada“ von Artek ist verworrene Elektronik mit irgendwelchen Stöhn-Samples. Jim Jean bietet bei seinem „Hot Buttered Copporn“ verworrene Samples mit irgendwelcher Elektronik. „Jetzt ist mir nach Mord“ von L'Edarps A Moth ist eine elektronische, schwer verdauliche Soundcollage. Elektronische Klänge bestimmen auch, verbunden mit weiblichen und tierischen Schreien, den Sound von Spilling Static Orchestra's „Untitled“. Das einzige Stück mit durchgehendem Rhythmus, sonst sehr experimentell, nicht mein Fall, zu viele Experimente, nicht eingängig, um alles in einem durchzuhören.
(Text aus The Torturer Nr. 3/November 1993)






