Mittwoch, 16. September 2026

Poison Party Project - Once I´ll Be You (MC, 1994)

Daß es sich hierbei um ein Seitenprojekt von der Bonner Band Poison Party handelt, versteht man eigentlich recht schnell vom Namen her. Musikalisch wird hier aber von Roland und Kerstin eine Art "Midi-/Gitarren-Produktion" vorgestellt. Zwölf Stücke, darin enthalten ein jeweils atmosphärisch-bedrohliches Intro und Outro. Daß natürliche einige Sachen verdächtig nach Poison Party klingen, ist eigentlich kein Wunder, denn die markante Stimme von Kerstin ist einfach unverwechselbar und sorgt sofort für die gedankliche Verbindung. Der Titelsong besteht aus monotonen Drums und einem stakkatoartigem Gitarrenspiel, entwickelt sich zu einem der interessantesten Stücke der Cassette. Weiter geht es nit einem wunderbaren Beispiel von sontrastreicher Musik. Davon ist "A Perfect Delusion" prall gefüllt, denn zum einem gibt es eine zum einen gibt es eine feine Keyboardmelodie, auf der anderen Seote steht dann eine harte Gitarre, und jetzt kommt´s: der teils fiese Gesang von Roland. Hier kann er sich schön austoben., wie es bei Poison Party wohl nicht der Fall ist. Das Stück gewinnt dadurch an Reiz. Das Tape ist eine lohnenswerte Abwechslung, das die andere Seite von begabten Musikern zeigt.

 (Text aus The Torturer Nr. 7/November 1994) 


 

Dead Souls Rising (MC, 1993)

Seit 1993 besteht diese dreiköpfige Band aus Frankreich. Das hier vorliegende erste Demo ist bereits ein Jahr alt, ein neues wird momentan aufgenommen. Dead Souls Rising überraschen mich mit ihrer Musik, die untypisch für Frankreich ist. Der Opener „Ruined Spirit" hämmert sich direkt in die Gehörgänge, Gitarren, wummernder Bass und eine sehr klare Stimme von Sängerin Alastrelle. Diese scheint eine stimmliche Schwester von Susan D'lavollo von Moonchild zu sein. Weiter geht es mit dem nicht minder tanzbaren „Endless Fall", das von einer feingliedrigen Gitarre getragen wird. Nun wird es etwas temporeicher, „A Dream Of Deception" überschlägt sich fast, Erinnerungen an die frühen Skeletal Family werden wach. In die gleiche Richtung geht „Never", das ist richtig schöner gitarrenlastiger New Wave. Dass so etwas aus unserem Nachbarland kommt, ich wundere mich immer noch. Als letzter Song befindet sich „Morphée Aux Enfers" auf dem Tape, eingeleitet von einem ordentlichen Gewitter und einem bedrohlichen Piano. Hier wird auch die Stimme als Instrument verwendet, markerschütternde Schreie, die wahre Folter. Hier müßte man das Konzept des Songs besser kennen, sonst nervt er. Insgesamt aber ein gutes Tape.

(Text aus The Torturer Nr. 8/Februar 1995) 



Chateau Royale - In Mourning (SCD, 1994)

Fast wäre diese Band bei mir in Vergessenheit geraten. Erinnern wir uns: vor einigen Monaten erschienen die beiden Tapes „Forest Of Gates" und „Angel" mit ein paar netten  Wave-Songs mit teilweise ungewohntem schrägen Gesang. Vor ein paar Tagen erreichte mich ein Päckchen mit dem neuen Werk der beiden extravaganten Engländer: eine CD-Single namens "In Mourning" mit drei Titeln. Schon das mittelalteriche Cover, anscheinend die Beschneidung Jesu zeigend, verblüffte mich zunächst. Doch bei der Musik wurde ich noch mehr überrascht. Chateau Royale beginnen mit dem Instrumental „Post Mortem", gefolgt von „Voodoo", die beide eine ungewohnte Ruhe ausstrahlen. Dezente Keyboardteppiche fließen daher, lassen dich in andere Welten versinken, und öffnen deine Ohren für den neuen Sound von Ady und Baron. Den Abschluß macht das choralartige „She´s Dying“, in dem die Stimme im Mittelpunkt steht, wahrscheinlich ein lateinisches Gebet aufsagend. Darum bilden leichte Bässe und Drums die notwendige düstere Atmosphäre. Ich bin gespannt, ob Chateau Royale in dieser Richtung weitergehen, für jeden Schwarzen ist diese Single schon fast Pflicht.

(Text aus The Torturer Nr. 8/Februar 1995) 

Also - Cold Rooms (MC, 1994)

Wer jetzt erst auf den Geschmack dieser excellenten Band gekommen ist, hat in den letzten Jahren etwas verpaßt. Jede Plattenfirma, die Also bisher keinen Vertrag angeboten hat, müßte bestraft werden. Es hat lange gedauert, bis das dritte Tape „Cold Rooms“ das Licht der Welt erblickt hat. Also besitzen eine Art Genialität, ihre Gedanken in Musik umzusetzen, wie es das wohl seit Bauhaus nicht mehr gegeben hat. Bei Bauhaus muß man wohl auch ansetzen, um Also zu verstehen, um Avantgarde hoffähig und populär zu machen. Also sind bissig, gehen gleichzeitig aber auch ins Ohr, machen süchtig. So strahlen einige ihrer Songs nach außen Optimismus und Freude aus, obwohl es anscheinend ganz anders aussieht. Bedrückend, meilenweit entfernt, eiskalt, „Black Icicles“, monoton, einfach, transparent, einfach ein Geniestreich! Gleich darauf folgt mit „Time“, mein Favorit des Tapes, das seltsamerweise recht komplex angelegt wurde, einfach schöner Wave-Pop, dazu zum ersten Mal auch weibliche Vocals im Wechsel mit Sänger Alexander Schmidt beim Refrain, traumhaft, ein potentieller Hit. Neben dieser Neuerung bei Also gibt es natürlich auch bandtypische Stücke wie „Parson's Party" oder „Bittersweet World", treibend und mit enorm Power versehen. Wer Also bereits kennt, der weiß, daß Coverversionen zum Standard zählen. Dieses Mal haben sich Alexander und Oliver Gnaß „Crawfish" (von wem das wohl ist?) und „Tutti Frutti" (von Rock´n´Roll-Legende Chuck Berry) vorgenommen. Letzterem wurde dabei extrem das Tempo genommen und eine Ballade daraus gemacht, eines der besten Covers, die ich kenne. Für Fans ist dieses bisher beste Also-Tape ein Muß, für alle anderen, die nicht der Meinung sind, gelten die ersten Sätze dieser Kritik.

(Text aus The Torturer Nr. 8/Februar 1995) 

 

Dienstag, 15. September 2026

The Torturer Nr. 8 - Februar 1995

„Heute fasse ich mich kuz mit dem Vorwort. Diese Ausgabe ist ziemlich füllig. geworden, das ist das Verdienst der vielen Mitarbeiter. Trotzdem können wir den Preis des Heftes weiter halten. Für DM 2 bekommt man doch ein nettes Heft oder? Und für DM 10 gibt es gleich die nächsten vier Ausgaben Wir haben jetzt die Redaktion in Fachbereiche aufgegliedert, sodaß noch effizienter berichtet und geschrieben werden kann. Pläne: ein neuer Tape-Sampler im Mai mit Wave/Gothic und im Frühsommer ein Electro Tape. Schickt uns Euer Material dafür, und natürlich zum Besprechen. Nun viel Freude beim Lesen.“

(Text aus dem Vorwort)


 Hier kann das Heft eingesehen werden. 

Katalog Nr. 19 (Januar 1995)

Zum Jahreswechsel war ein neuer Katalog fällig, denn es wurden einige neue Tapes und CDs aufgenommen. Darunter waren Also, Cream 8, Chateau Royale und The Faith sowie einige Compilation-Tapes. 


Hier
 kann der Katalog eingesehen werden.

Cosmic Dance Society - Noblesse Oblige... (MC, 1995?)

Dieses Tape eines Duos aus der Region Bremerhaven enthält insgesamt sieben Tracks, die allerdings nur als Ausschnitt vorliegen. Wahrscheinlich wurde es 1995 veröffentlicht, die Aufnahmen dürften zum Teil aber bereits älter sein. Stilistisch schwierig einzuordnen, irgendwo zwischen Art-Rock, Psychedelic Rock, Synthesizer-Pop und reinem Experimental-Sound.

 
 
 

Montag, 14. September 2026

The Torturer Vol. 2 (1994)

Die zweite Compilation zum Magazin, dieses Mal mit diesen Bands: Scarlet Harbour, The Delight Of God, Mano Juodoju Sesuo (LIT), Mémoires d´Automne (F), The House Of Usher, The Blues Of A Lesser God, Vendemmian (GB), The Brotherhood Of Pagans (F), Land Of Passion (F), Lane To The Grey.

Morior - No Kind Of Harmony (MC, 1994)

Morior ist das musikalische Projekt von Holger Neumann. Schon das violette Cover lässt auf finstere Musik schließen. Dies verstärkt sich bereits bei den ersten Tönen des instrumentalen Titelsongs, der gemächlich melodiös in eine geheimnisvolle Atmosphäre einführt. Dieses Intro geht fließend über in "Shattered", das sich wie ein ruhiger Strom durch die Gehörgänge schlängelt. Die melancholischen Vocals des nächsten Stückes "When Life Is Dead", die zudem noch durch ihre Zweistimmigkeit in den Vordergrund treten, sorgen dann vollends für die Bestätigung der obigen Vermutung, dazu eine dezente Piano- und Keyboardbegleitung. Mir gefällt besonders gut "The Whys And The Wherefores", denn hier werden Oboen- und Klarinettensounds eingesetzt, wie ich sie zum Beispiel bei einer Band wie China Crisis gemocht habe. Das Piano scheint eine der tragenden Elemente von Morior zu sein, denn es findet sich in fast jedem Song wieder, so auch in dem mit Glockenspiel angereicherten "Space Age" Das Tape hat einen durchweg eigenen Charakter und lehnt sich nicht an irgendwelchen Größen an. Es ist geprägt durch die gewollte Trübheit, die in krassem Gegensatz zur Wärme der Musik steht.

(Text aus The Torturer Nr. 7/November 1994)

Lygiailya - Still Alive (MC, 1994)

Mit "Still Alive" gibt es nun ein neues Tape von dieser eigenwilligen Band aus Litauen. Einigen dürfte bereits ein Song von einem der vergangenen NCT-Compilations bekannt sein. Auffallend bei Lygiailya ist der Einsatz einer Trompete zum sonst eher gitarrenlastigen Sound, der sehr schwer fassbar ist. Stilistisch kaum einzuordnen, aber ich würde die Band vergleichen mit einen Philip Boa in dessen Anfangstagen. Mit dessen Musik konnten damals auch zunächst nur sehr wenige Leute verstehen. Genauso verhält es sich mit den Litauern. Sie schaffen es einstweilen, gute Rocksongs und Balladen abzuliefern, dazwischen werden dann aber auch immer brachiale Stücke eingestreut. Zu meinen Favouriten gehört das gemächliche "So Fine". Man wird sicherlich noch mehr Musik dieser Art von unseren östlichen Nachbarn demnächst zu hören bekommen, denn die Möglichkeiten sind noch nicht ausgeschöpft.

(Text aus The Torturer Nr. 7/November 1994)