Montag, 14. September 2026

The Torturer Vol. 2 (1994)

Die zweite Compilation zum Magazin, dieses Mal mit diesen Bands: Scarlet Harbour, The Delight Of God, Mano Juodoju Sesuo (LIT), Mémoires d´Automne (F), The House Of Usher, The Blues Of A Lesser God, Vendemmian (GB), The Brotherhood Of Pagans (F), Land Of Passion (F), Lane To The Grey.

Morior - No Kind Of Harmony (1994)

Morior ist das musikalische Projekt von Holger Neumann. Schon das violette Cover lässt auf finstere Musik schließen. Dies verstärkt sich bereits bei den ersten Tönen des instrumentalen Titelsongs, der gemächlich melodiös in eine geheimnisvolle Atmosphäre einführt. Dieses Intro geht fließend über in "Shattered", das sich wie ein ruhiger Strom durch die Gehörgänge schlängelt. Die melancholischen Vocals des nächsten Stückes "When Life Is Dead", die zudem noch durch ihre Zweistimmigkeit in den Vordergrund treten, sorgen dann vollends für die Bestätigung der obigen Vermutung, dazu eine dezente Piano- und Keyboardbegleitung. Mir gefällt besonders gut "The Whys And The Wherefores", denn hier werden Oboen- und Klarinettensounds eingesetzt, wie ich sie zum Beispiel bei einer Band wie China Crisis gemocht habe. Das Piano scheint eine der tragenden Elemente von Morior zu sein, denn es findet sich in fast jedem Song wieder, so auch in dem mit Glockenspiel angereicherten "Space Age" Das Tape hat einen durchweg eigenen Charakter und lehnt sich nicht an irgendwelchen Größen an. Es ist geprägt durch die gewollte Trübheit, die in krassem Gegensatz zur Wärme der Musik steht.

(Text aus The Torturer Nr. 7/November 1994)

Lygiailya - Still Alive (1994)

Mit "Still Alive" gibt es nun ein neues Tape von dieser eigenwilligen Band aus Litauen. Einigen dürfte bereits ein Song von einem der vergangenen NCT-Compilations bekannt sein. Auffallend bei Lygiailya ist der Einsatz einer Trompete zum sonst eher gitarrenlastigen Sound, der sehr schwer fassbar ist. Stilistisch kaum einzuordnen, aber ich würde die Band vergleichen mit einen Philip Boa in dessen Anfangstagen. Mit dessen Musik konnten damals auch zunächst nur sehr wenige Leute verstehen. Genauso verhält es sich mit den Litauern. Sie schaffen es einstweilen, gute Rocksongs und Balladen abzuliefern, dazwischen werden dann aber auch immer brachiale Stücke eingestreut. Zu meinen Favouriten gehört das gemächliche "So Fine". Man wird sicherlich noch mehr Musik dieser Art von unseren östlichen Nachbarn demnächst zu hören bekommen, denn die Möglichkeiten sind noch nicht ausgeschöpft.

(Text aus The Torturer Nr. 7/November 1994)

Olaf Seider - Der Araber (1994)

Bei dieser Cassette handelt sich um ein musikalisches Hörspiel, das sich mit der Entstehungsgeschichte des berühmt-berüchtigten Necronomicons beschäftigt. Die Erfindung von H.P. Lovecraft, der das Buch des Schreckens durch den Araber Abdul Alhazred hat schreiben lassen, wird hier zum Teil mit Originaltexten zitiert. Das ganze ist in einen musikalischen Rahmen eingebettet. der sich an der jeweiligen Thematik orientiert. Mal romantisch, mal verzerrt, mal brutal, die jeweilige Atmosphäre wurde recht gut umgesetzt. Auch werden gesprochene Teile, in denen verschiedene Dämonen angerufen werden, mit diversen Effekten unterlegt. Das einzige, was mich stört, ist der hessische "Slang" in den Erzählpassagen, aber das macht sicherlich nicht den Gesamteindruck des Tapes kaputt. Für Lovecraftfans ist dieses Hörspiel auf alle Fälle eine willkommene Abwechslung, eine Anschaffung lohnt sich darüber.

(Text aus The Torturer Nr. 7/November 1994)

1SBH - Violent Grey (1994)

Bereits die siebte Tape-Veröffentlichung ist diese Cassette des Duos aus Hamburg neben vielen anderen Sampler-Beiträgen auf MC und CD. Auf "Violent Grey tummeln sich acht Songs, die alle irgendwie etwas eigenes haben. Ihr Stil ist nicht einzuordnen, jeder Song kann anders klingen. So scheinen mir im Opener "Today's Worst" asiatische Einflusse, vielleicht unbewußt, durch die Sounds eingeflossen zu sein. Unbändig mit rasenden Drums und Gitarren geht es weiter mit "Deathcity", bevor mit "A Little Sun" ein weiterer Einschnitt erfolgt. Letzteres ist nämlich absolut ruhig gehalten, etwas hektisch wirkt ein wenig dezentes Schlagwerk. Die erste Seite wird mit dem, sagen wir mal Wave-Pop-Song "All My Dreams" beendet. Flott und irgendwie dreckig hört sich "The Sleeping Hunt" an, das dem Cure-mäßigen "Love" vorangeht. Noch wesentlich mehr nach den Engländern ausgerichtet ist "Cold & Empty", bevor dann zum Abschluß nochmals mit "This Is The End" ein Feuerwerk abgebrannt wird. Eine tolle Melodie mit Schrammelgitarre, beinahe etwas punkig, kommt richtig gut. "Violent Grey" wird bestimmt nicht das letzte Tape von 1SBH sein. Man sollte sich ruhig einmal nüt der Band beschäftigen, die nicht immer 
leicht verständlich ist, hier aber einige Pluspunkte sammeln konnte.

(Text aus The Torturer Nr. 7/November 1994) 

HeKate/Chorea Minor - Sanctuary (1994)

Nach langer Ankündigung haben HeKate in Verbindung mit Chorea minor ihr erstes Tape veröffentlicht. Die sieben Songs sind recht unterschiedlich gestaltet, mal regen sie zur Meditation an, mal fallen sie eher in die Sparte Neo Folk. Der Liederreigen beginnt mit dem sphärischen "Triremis", eine verträumte Melodie aus dem Synthie, unterstützt von zwei alten Kesselpauken. Letztere sind übrigens real aufgenommen und wurden nicht etwa gesampelt! Hieran schließt sich mit "Burning Terror" ein Klassiker der Koblenzer Band an, der mit überwiegend akustischen Gitarren die Richtung der Musik weist. Bei "Endless Life" erklingt eine spinnwebenfeine Streichersequenz, die Wort- fragmente in verschiedenen Sprachen einbettet. Der Song besitzt eine stoische Ruhe und wirkt besinnlich. Sicherlich ist das Stück eines der besten auf der Cassette, zumal auch hier wieder die Pauken verwendet wurden, wenngleich diesen bei beiden Songs vielleicht etwas mehr Betonung besser getan hätte. Ein weiteres Instrumental, nämlich "Odyssey In Space", leitet die zweite Seite ein, wiederum eher meditativ. Einen weiteren Höhepunkt stellt "Ascension Day" dar, das recht gefühlvoll vorgetragen wird, akustische Gitarren stehen wieder im Mittelpunkt. In die gleiche Richtung geht dann auch der letzte Studio-Track "Temple Of Tears", das noch einmal zum Träumen einlädt. Den Abschluß macht jedoch eine Live-Aufnahme vom ersten Song der Band überhaupt, die jedoch leider nicht so gelungen ist und auch nicht zu der sonst sehr guten Studioqualität paßt. Sicherlich ist diese Cassette ein gutes Debüt, einiges kann noch verbessert werden, dazu gehört unter anderem auch das Bestreben nach einer besseren englischen Aussprache. Ein großes Plus für die Aufmachung: das Tape kommıt in Stoffbeutel und mit Booklet.

(Text aus The Torturer Nr. 7/November 1994) 

Sonntag, 13. September 2026

The Torturer Nr. 7 - November 1994

"Liebe Leserinnen und Leser, vor Euch liegt nun die neueste Aushabe des Torturer. Ich hoffe natürlich, daß Euch die Vielzahl der Artikel, Interviews und Kritiken wieder zusagen. Über Eure Meinung zu unserem Heft sind wir jedenfalls sehr erfreut. Mit dem Tape-Sampler "The Torturer Vol. 2" wird es wohl noch ein paar Tage dauern, da die Studioarbeiten noch nicht abgeschlossen sind. Die genauen Details findet Ihr auf der nächsten Seite. Nochmals darf ich darf ich darauf hinweisen, daß unser Fanzine auch abonniert werden kann, ein Jahr = vier Ausgaben kosten nur DM 10. Desweiteren rufe ich alle Bands auf, mir Demos oder sonstige Tonträger zu schicken, denn wir möchten jungen Bands ebenso ein Forum bieten, wie den etablierten. Das schließt auch zum Beispiel Interviews nit ein. Also, her mit Eurem Material! Nun viel Spaß beim Lesen, frohe Festtage und ein fröhliches 1995."

(Text aus dem Vorwort)


 Hier kann das Heft eingesehen werden.

Katalog Nr. 18 (Oktober 1994)

Im Oktober 1994 wurde der neue Katalog herausgegeben. Darin wurden ein Tape aus der Zusammenarbeit von HeKate und Chorea Minor, das mit Booklet und Stoffbeutel erschien, sowie der erste Teil der englischen Samplerreihe "What Sweet Music They Make" aufgenommen.


Hier kann der Katalog eingesehen werden.

Religious Vision - Promotional Death (1992)

Religious Vision existierte unter diesem Namen von 1991 bis 1993 und stammte aus der Region Ostwestfalen-Lippe / Niedersachsen und bewegte sich in den düsteren Nischen der damaligen Independent-Szene. Ihr Sound war eine eigenwillige, oft eisige Mischung aus EBM (Electronic Body Music), Dark Wave, Coldwave und experimentellem Industrial.Typisch für die Band war es, unheimliche Synthesizer-Melodien mit harten elektronischen Rhythmen zu kreuzen und oft gesprochene Nachrichtenversatzstücke oder Samples in die Songs zu montieren. Dieses Tape ist eine Zusammenstellung aus mehreren Jahren und diente rein zu Promotionzwecken.